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Oft verbergen sich hinter einer ungepflegten Wohnung andere Probleme

Chaos im Kinderzimmer

Es gibt wichtigere Dinge als eine aufgeräumte Wohnung. Zum Beispiel das neue Puzzle vom Kleinen, das spannende PC-Spiel, der erste Liebeskummer der Tochter oder der Fernsehkrimi am Sonntagabend. Im Extremfall allerdings kann Unordnung dazu führen, dass größere Bereiche der Wohnung nicht mehr betretbar sind. Geschlafen wird auf der Wohnzimmercouch, weil sich im Schlafzimmer die Schmutzwäsche türmt. Und tagsüber spielen die Kinder zwischen Müllbergen, Tieren, vollen Aschenbechern und Bierfl aschen. – Wo liegt die Grenze zwischen kreativem Chaos und Verwahrlosung, zwischen Kindeswohl und Gefährdung?

Hans Leitner von der Fachstelle Kinderschutz: „Ansichten über Sauberkeit und Ordnung sind immer subjektiv. Sie sind bedingt durch die eigene Erziehung, oft ohne dass es uns bewusst ist.“ Mitarbeiter vom Jugendamt zum Beispiel, die eine Familie zu Hause besuchen, nehmen die häusliche Situation immer auch unter eigenen Vorstellungen in Augenschein: Was nutzt wem, und was schadet und engt ein? Dabei können je nach Mitarbeiter ganz unterschiedliche Bewertungen und Maßstäbe herauskommen. Grenzen sind jedoch ganz klar überschritten, wenn zum Beispiel die Gesundheit der Kinder gefährdet ist.

Verwahrlosung oder kreatives Chaos – wo liegt die Grenze?


Der Kinderschutzexperte nennt Beispiele: „Verdorbene Lebensmittel gehören in den Müll und dürfen nicht im Kinderzimmer in einer Ecke vergessen werden. Durch nasse Kleidung und feuchte Handtücher, die auf dem Teppichboden liegen, bilden sich hochgiftige Schimmelpilze. Kinder brauchen einen geeigneten sauberen und trockenen Schlafplatz. Das Zusammenleben von Mensch und Tier bedarf im häuslichen Bereich einer besonderen Hygiene. Ungelüftete und nikotingesättigte Räume belasten immer auch die kindliche Gesundheit.“

Oft verbergen sich hinter einer ungepflegten Wohnung andere Probleme der Familie, zum Beispiel eine psychische Erkrankung der Eltern oder finanzielle Sorgen. Wo Eltern keine Kraft mehr finden, die Wohnung aufzuräumen, verkümmern Kinder meist körperlich und seelisch. Denn ihren Eltern fällt es schwer, ihnen Aufmerksamkeit und Liebe zu geben oder auch nur das Notwendigste zu regeln: warme Mahlzeiten, jahreszeitgemäße saubere Kleidung, der Besuch von Kindergarten oder Schule.

Stärke beweisen und Hilfe annehmen

Oft schämen sich die Betroffenen und halten es nicht für möglich, dass andere unter den gleichen Schwierigkeiten leiden. Dies erschwert ihnen häufig, ihr Problem zu erkennen und Hilfe zu suchen. Hans Leitner ermutigt Eltern in schwierigen Lebenssituationen, sich Unterstützung bei öffentlichen Beratungsangeboten (Beratung, Helfen und Schützen) oder Selbsthilfegruppen (Selbsthilfe) zu holen. „Es gibt immer Situationen im Leben, in denen der Einzelne allein nicht weiter weiß. Hilfe rechtzeitig anzunehmen, hat nichts mit Scheitern zu tun, sondern beweist Stärke“, so Hans Leitner.

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