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Alltag und Statistik

Spagat zwischen Dienstleistung und Wächteramt

Die Jugendämter sehen sich oft mit dem Vorwurf konfrontiert, Verdachtsfällen von Kindesvernachlässigung und Misshandlung nicht konsequent nachzugehen. Gegen den Willen der Eltern werde zu wenig unternommen, heißt es oft.


Es gibt zwar keine Statistik über die Fälle, in denen Kinder erfolgreich vor Vernachlässigung und Misshandlung geschützt wurden. Doch welche Rolle Kinderschutzfragen im Alltag der Brandenburger Jugendämter spielen, darauf gibt die Jugendhilfestatistik 2004 einen deutlichen Hinweis: Von insgesamt 1673 neuen Unterbringungen in Heimen oder Pflegefamilien waren 145 - also rund neun Prozent - mit einer familienrichterlichen Entscheidung verbunden.

Das Einschalten des Familiengerichtes ist immer ein deutliches Indiz für eine Kinderschutzproblematik. Damit belegen diese Zahlen, dass der pauschale Vorwurf der Untätigkeit an die Jugendämter nicht haltbar ist: Im Durchschnitt alle sechs Wochen setzt jedes Jugendamt in Brandenburg Kindeswohl auch gegen den Willen der Eltern durch.

Und trotzdem: Nach Angaben des Landeskriminalamtes werden in Brandenburg jedes Jahr sieben Kinder Opfer schwerster, zum Teil tödlicher Misshandlungen bzw. Vernachlässigung. Nach der polizeilichen Kriminalstatistik aus dem Jahr 2003 werden im Land Brandenburg jährlich 113 Kinder misshandelt und insgesamt 224 Opfer gefährlicher und schwerer Körperverletzungen. 574 Kinder werden sexuell missbraucht.

Diese Zahlen - und sie bilden "nur" die Spitze eines Eisberges ab - lassen eine Überprüfung der Arbeit in der Jugendhilfe sowie der Kooperation zwischen Jugendamt, Schule, Gesundheitswesen, Gerichte und Polizei fordern. Durch gegenseitige Schuldzuweisungen wird sich die Zahl der betroffenen und gefährdeten Kinder nicht verringern. Es es wichtig, dass sich die Kinder- und Jugendhilfe ihren Aufgaben mit Selbstbewusstsein stellt.

Zahlen aus der Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes sowie des Brandenburger Landeskriminalamtes.

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