Qualifizierung der Kinderschutzarbeit im Land Brandenburg

Kernaufgaben der Fachstelle Kinderschutz

Die Fachstelle Kinderschutz im Land Brandenburg hat die Aufgabe, wesentliche Teile des Brandenburger Kinderschutz-Programms in die Praxis umsetzen. Mit ihrem Angebot richtet sich die Fachstelle an Träger, Institutionen und Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe in Brandenburg.

 

Ein Ziel ist es, die Handlungssicherheit der in Kinderschutzfragen beteiligten Fachkräfte zu stärken: durch Fachberatung und Qualifizierung sowie insbesondere durch Qualitätsentwicklung der Arbeit der Allgemeinen Sozialen Dienste der Jugendämter. 

Auch bei der Weiterentwicklung lokaler Netzwerkstrukturen bietet die Fachstelle Unterstützung an. Ziel ist, die Zusammenarbeit der Jugendhilfe mit anderen Bereichen, wie Schule, Gesundheit, Justiz und Polizei zu verbessern. 

Ein weiterer Schwerpunkt sind wissenschaftliche Untersuchungen: So hat die Fachstelle bundesweit Standards der Personalausstattung im Allgemeinen Sozialen Dienst der Jugendämter erhoben oder und Fälle im Land Brandenburg analysiert, in denen Kinder in Folge von Misshandlung oder Vernachlässigung schwer verletzt wurden oder zu Tode gekommen sind.

Weiter mit folgenden Themen:

Netzwerkarbeit

Mehr Information und Kommunikation - bessere Kooperation

Bessere Kooperation im Kinderschutz - Bei dieser Kernaufgabe unterstützt die Fachstelle Kinderschutz mit verschiedenen Angeboten: Fachveranstaltungen, Praxisbegleitung vor Ort oder Erstellen fachübergreifender Expertisen.

Die mit schwersten Behinderungen endende Misshandlung von Pascal 2003, die verhungerte Jessica 2005 oder der Tod von Kevin 2006 – viele der bundesweit aufgedeckten Fälle von Kindervernachlässigung und - misshandlung geben Hinweise auf die Art und Weise der Kooperation zwischen Jugendhilfe, Schule, Gesundheitswesen, Familiengericht, Polizei und Strafjustiz.

Vor diesem Hintergrund haben im Land Brandenburg Vertreter mehrerer Ressorts der Landesregierung gemeinsam mit Vertretern der kommunalen Spitzenverbände die "Empfehlungen zum Umgang und zur Zusammenarbeit bei Kindesvernachlässigung und Kindesmisshandlung sowie bei entsprechenden Verdachtsfällen" entwickelt.

In dem Papier sind die Aufgaben der verschiedenen Bereiche – Gesundheitswesen, Justiz, Kinder- und Jugendhilfe, Schule und Polizei – beim Schutz von Kindern vor Vernachlässigung und Gewalt dargestellt. Außerdem werden Vorschläge für die Verbesserung der Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen unterbreitet. Insbesondere wird angeregt, auf der örtlichen Ebene die mit solchen Fragen befassten Mitarbeiter der einzelnen Institutionen regelmäßig zusammenzuführen. Ziel ist, den fachlichen Austausch zu fördern und eine schnelle Abstimmung in Verdachtsfällen oder bei konkreten Vorfällen möglich zu machen.

Die Landesempfehlungen zu Kooperation und Netzwerkarbeit
Unterstützung bei der Umsetzung vor Ort

Gelingende Netzwerkarbeit benötigt auf der Planungsebene einen konkreten Netzwerkauftrag. Und auf der operativen Ebene braucht es Konzepte,  die die im Kinderschutz beteiligten Akteuren und Institutionen in ihren Arbeitsalltag integrieren können.

Die Empfehlungen zum Umgang und zur Zusammenarbeit bei Kindesvernachlässigung und Kindesmisshandlung stellen mit ihrer Übersicht über die jeweiligen Verfahrenswege und Zuständigkeiten zwischen den unterschiedlichen Fachbereichen eine Art "Kinderschutz-Navigationssystem" für das Land Brandenburg dar. Doch wie können die sogenannten "Landesempfehlungen" in den Landkreisen und kreisfreien Städten wirksam werden? Die Fachstelle Kinderschutz bietet an, die Umsetzung in örtliche Handlungsstrukturen fachlich zu begleiten. Bei Bedarf können z. B. entsprechende Veranstaltungen und/oder Arbeitsgruppen fachlich anleitend und moderierend vor- und nachbereitet sowie direkt begleitet werden. 

Für nähere Informationen wenden Sie sich bitte an Hans Leitner: info@start-ggmbh.de.

Kooperation, Netzwerke, Arbeitsgemeinschaften - in den Kommunen und kreisfreien Städten ist viel in Bewegung

Die Fachstelle Kinderschutz befragt seit 2007 regelmäßig die Brandenburger Jugendämter, welche jugendamtsübergreifenden Arbeitsformen es in ihrem Landkreise bzw. ihrer kreifreien Stadt gibt. Die Ergebnisse sind hier als aktuelle Zusammenfassung veröffentlicht:

Praxisbegleitsystem

Fachkräfte fit im Kinderschutz

Wirksame Konzepte im Kinderschutz müssen vor Ort entwickelt und gelebt werden. Dabei begleitet die Fachstelle Brandenburger Jugendämter seit 2006.

Der § 8 a SGB VIII erfasst mit seinem Geltungsbereich auch alle Dienste und Einrichtungen, die Leistungen nach dem SGB VIII erbringen. Ob Kindergärten, Horte oder Jugendclubs – alle freien und kommunalen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sind jetzt beim Kinderschutz verbindlich in die Pflicht genommen.

Um diesen neuen Aufgaben qualifiziert zu begegnen, brauchen die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe Unterstützung. Die Fachstelle Kinderschutz bietet dazu verschiedene prozessbegleitende Fort- und Weiterbildungen an. In den Seminaren, Workshops und Beratungen werden Fragen aus der Praxis behandelt, wie zum Beispiel: Woran erkennt man, dass ein Kind vernachlässigt oder misshandelt wird? Muss sofort eingeschritten werden? Oder ist es sinnvoll, zunächst mit den Eltern zu sprechen? Wie spreche ich Eltern auf den Verdacht hin an?

Im vergangenen Jahr haben die Jugendämter das Angebot der Fachstelle im vollen leistbaren Umfang ausgeschöpft. Insgesamt fanden 80 Veranstaltungen statt. Die Mehrzahl der Jugendämter hat das Kontingent an Beratungstagen in Anspruch genommen. Weitere Informationen enthalten der Arbeitsbericht 2006, der Arbeitsbericht 2007, der Arbeitsbericht 2008 sowie der Arbeitsbericht 2009.

Angebot für Fachkräfte
Praxisberatung und Krisenintervention

Das Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebot der Fachstelle Kinderschutz wurde auf der Grundlage einer Bedarfserhebung bei allen Brandenburger Jugendämtern zusammengestellt und umfasst folgende strategische Arbeitsansätze: 

  1. Entwickeln, Qualifizieren und Evaluation von Verfahren, Handlungsleitlinien und Vereinbarungen
  2. Initiieren und Entwickeln von Kooperation und Netzwerkarbeit
  3. Einzelfallbearbeitung und –beratung


Mit ihrem Angebot an Praxisbegleitung richtet sich die Fachstelle Kinderschutz an alle Jugendämter im Land Brandenburg. Diese können ihrerseits Einrichtungen und Dienste der Kinder- und Jugendhilfe in den Prozess einbeziehen. Jedes Jugendamt im Land Brandenburg hat im Jahr 2008 die Möglichkeit, je bis zu drei Beratertage im Rahmen der Landesförderung in Anspruch zu nehmen. Zur Bewältigung von krisenhaften Situationen bietet die Fachstelle bei Bedarf zusätzliche Beratungs- und Begleitungsleistungen.

Für nähere Informationen wenden Sie sich bitte an Frau Karin Troscheit: info@start-ggmbh.de.

 

Experten*innenpool

Beim Praxisbegleitsystem arbeitet die Fachstelle mit qualifizierten Referentinnen und Referenten zusammen.

Verfahren nach § 8a SGB VIII

Mehr Handlungssicherheit im Jugendamt

Die Aufgabe heißt, Elternrecht gegen Kindeswohl abzuwägen. Doch genau dabei ergeben sich für Fachkräfte in der Praxis viele Fragen.

Bei jedem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung müssen die ASD-Mitarbeiter der Jugendämter nach § 8a Abs.1 SGB VIII entscheiden: Ist das Kindeswohl tatsächlich bedroht? Muss sofort eingeschritten werden? Sind die Eltern ausreichend kooperationsbereit, nehmen sie die Hilfe an? Oder muss gar ein Antrag beim Familiengericht auf Einschränkung oder Entzug des Personensorgerechts gestellt werden?

In der Vergangenheit ergaben sich die Unsicherheiten im Wesentlichen aus unzureichend klaren Regelungen u. a. bezüglich Verantwortlichkeit im Kinder- und Jugendhilferecht. Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe – KICK – am 1. Oktober 2005 sind die vermeintlichen rechtlichen Lücken beseitigt.

Doch an vielen Stellen bleibt das Gesetz auch nach Einführung des § 8a SBG VIII interpretationsbedürftig. Die gesetzlichen Vorgaben müssen in die Alltagspraxis übersetzt werden. Dazu wurde bundesweit bereits eine Reihe einschlägiger Verfahren und Leitlinien entwickelt. Auch in Brandenburg hat eine Arbeitsgruppe von ASD-Leiterinnen einen Leitfaden zur Wahrnehmung des Schutzauftrages bei Kindeswohlgefährdung – § 8a SGB VIIIerarbeitet. 

Diese oder andere Verfahrensstandards und Handlungsrichtlinien gehören bei den meisten Jugendämtern und Trägern in Brandenburg zur institutionellen Ausstattung. Sie müssen nun in Folge der jüngsten Änderungen im Kinder- und Jugendhilferecht (weiter-) entwickelt werden. Notwendig ist dabei die kontinuierliche kritische Reflexion: Wie alltagstauglich ist das bislang angewandte Verfahren? Wieweit stärkt es wirklich Handlungssicherheit der Fachkräfte? Ist es ein wirksames Handwerkzeug, um bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung auf der Grundlage einer soliden Einschätzung zu handeln? 

Bei diesem Prozess bietet die Fachstelle Kinderschutz den Brandenburger Jugendämtern fachliche Begleitung 

Angebot

Prozessbegleitung bei der Weiterentwicklung von Verfahren nach § 8a SGB VIII

Die Fachstelle Kinderschutz bietet den Jugendämtern in Brandenburg fachliche Unterstützung bei der Weiterentwicklung geeigneter Verfahren und Standards nach § 8a SGB VIII an. Ziel ist, dass jedes Jugendamt seine Verfahren zum Schutzauftrag kritisch überprüft: Vor dem Hintergrund der aktuellen Gesetzeslage und weiterentwickelter Instrumente müssen die Verfahren an die praktischen Regelungs- und Handlungserfordernisse angepasst werden.

Die Schritte im Einzelnen:

  1. Prozessbegleitung bei der Überprüfung und Weiterentwicklung eigener Arbeitsmaterialien für den ASD:
    Die Fachstelle übernimmt dabei die Rolle als fachlicher Impulsgeber und inhaltlicher Ratgeber für örtlich zu führende ergebnisorientierte Debatten.

  2. Begleitung des Umsetzungsprozesses
    Der Implementationsprozess wird mit dem Ziel begleitet, die Jugendämter beim Erfüllen ihres Schutzauftrages zu unterstützen.
    Dazu gehören das Festlegen und die Implementation von
    • gesicherten Verfahrensabläufen für fachkompetentes, kooperatives Reflektieren und Handeln
    • weitere systematische Instrumente zur Risikoeinschätzung
    • geeignete Formen der Dokumentation sowie
    • eine wirkungsorientierte Ergebnisbewertung.

  3. Prozess- und Ergebnisevaluation
    Welche Empfehlungen haben sich in der Praxis bewährt, welche Empfehlungen aus anderen Bundesländern können integriert oder als Anregung zur Weiterentwicklung des eigenen Verfahrens genommen werden?

Für nähere Informationen wenden Sie sich bitte an Hans Leitner: hans.leitner@start-ggmbh.de

Beispiele von Verfahren und Leitlinien

Die Fachstelle Kinderschutz hat eine bundesweite Recherche durchgeführt, um einen Überblick über die in der Praxis der Jugendämter verwendeten Verfahren bzw. entsprechende landes- und bundesweite Empfehlungen zu erhalten. Der Bericht ist auf dieser Website an anderer Stelle veröffentlicht und steht dort zum Download zur Verfügung.

An dieser Stelle geben wir einen Überblick über bundesweite Verfahren und Leitlinien nach § 8a SGB VIII. Die folgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und beinhaltet keine qualitative Bewertung der Verfahren:

Unterstützung für Praxis und Politik

Expertisen und fachliche Stellungnahmen - eine wichtige Ergänzung zur Praxisbegleitung vor Ort

Expertisen und fachliche Stellungnahmen - eine wichtige Ergänzung zur Praxisbegleitung vor Ort
Die Fachstelle Kinderschutz unterstützt Praxis und Politik mit fachlichen Stellungnahmen. Und in ihren Studien und Expertisen greift die Fachstelle Kinderschutz Kernfragen der aktuellen Fachdebatte auf.

Die bisher veröffentlichten Papiere stehen hier zum Download bereit.